portfolio

 

Eingebettet in Interaktion und Bewegung, Spontaneität und Dynamik, gerahmt von skizzenhaften und konkreten Details, steht die Figur immer im Mittelpunkt aller Zeichnungen und Drucke.
Kompositionen von klassischer Schönheit mit Verzerrung und Morbidität verleihen den Werken Leichtigkeit und zugleich eine bedrohliche und düstere Atmosphäre, die jedes Bild begleitet. Derartig konträre Kombinationsmethoden zeigen sich, in Anlehnung an Janssen, auch in der Nutzung und Verbindung von klassischen und experimentellen Techniken, indem beispielsweise alte und zerkratzte Vinylschallplatten von Hamburger Flohmärkten zu Druckplatten modifiziert werden (s.„dancing to the sound of silence“). Unter den verschiedenartig kombinierten Einflüssen von Goya, Picasso, Busch u.a. gewinnen alle Werke, durch das Zusammenspiel aus grotesker und abstrakter Darstellung, an intensiver Präsenz und Wirkungskraft. Die dynamische Leidenschaft der dargestellten Figur und Figuren beherrscht, trotz der teilweise verflüchtigenden und schemenhaften Illustrationsweise, jedes Bild. Vor allem die Abstraktion und kafkaeske Darstellung des Motivs sollen den Blick des Betrachters bannen.

Das Betrachten, Wahrnehmen und Aufnehmen von Bildern besteht in der heutigen Zeit meist nur noch aus einem flüchtigen, über das Werk gleitenden Blick. Hektik, Eile und die permanente Überflutung durch Werbung, Fernsehen und die neuen Medien bewirken einen Überfluss an angebotenen Eindrücken, die sich weder überschauen noch in ihrer Ganzheitlichkeit und Intention erfassen lassen. Das Verweilen in einem Moment, bei einem Moment und die bewusste Erkenntnis dieses Moments ist heutzutage kaum noch möglich. Dieser Themenaspekt zieht sich durch viele der neueren Werke. Skizzen- und schleierhaft wirkende Zeichnungen verkörpern und spiegeln gerade diesen flüchtigen Eindruck schon im Werk selbst wider - sei es dadurch, dass eine Zeichnung schemenhaft wirkt oder indem großformatige Flächen in unzählige kleine Einzeleindrücke zerlegt werden. Auf diese Weise wird dem Betrachter ganz bewusst schon vorab die Möglichkeit genommen, sich auf das Bild zu konzentrieren (s. „200 drive-by-shots“). Intentionierte Anspielungen auf eine Welt, die mit allen Mitteln versucht sich immer schneller um sich selbst zu drehen und dabei keine Rast gestattet? – Ja, aber nicht nur.

Das künstlerische Spiel mit dieser Thematik lässt den Betrachter für einen Augenblick innehalten und das Werk wahrnehmen, ob dies bewusst oder unbewusst geschieht wird in diesem Moment bedeutungslos.
Justin Labe M.A.